Starkes Wachstum auf dem Bau: Prognosen fürchten Trendwende

Die Bauindustrie hat im Jahr 2017 neue Rekorde aufgestellt. Seit 21 Jahren wurde nicht mehr so viel neu gebaut. Doch damit könnte es langsam aber sicher zu Ende gehen. Neben Grundstücksknappheit, steigenden Bauzinsen und rückläufigen Baugenehmigungen droht der Branche jetzt auch noch ein Rohstoffengpass: Ausgerechnet Sand könnte knapp und teuer werden.

Die Bauindustrie hat im Jahr 2017 neue Rekorde aufgestellt. Seit 21 Jahren wurde nicht mehr so viel neu gebaut. Doch damit könnte es langsam aber sicher zu Ende gehen. Neben Grundstücksknappheit, steigenden Bauzinsen und rückläufigen Baugenehmigungen droht der Branche jetzt auch noch ein Rohstoffengpass: Ausgerechnet Sand könnte knapp und teuer werden.

Düsseldorf/Wiesbaden. Die Bauwirtschaft hat im letzten Quartal des abgelaufenen Jahres 2017 starke Wachstumszahlen verzeichnet. Die Unternehmen bekamen in Nordrhein-Westfalen 5,2 Prozent mehr Aufträge als im Vorjahreszeitraum. Dabei fiel das Plus im Hochbau mit 8,8 Prozent noch deutlich größer aus. Allerdings ist der Wohnungsbau dafür nur teilweise verantwortlich: 30,9 Prozent betrug das Plus in diesem Bereich, während der öffentliche Hochbau um 79,4 Prozent zulegte.

Diese Zahlen hat die amtliche Statistikstelle des Landes, IT.NRW, heute (26. Februar 2018) vorgelegt. Erst am Freitag (23. Februar 2018) hatte das Statistische Bundesamt berichtet, dass die Bauwirtschaft im Jahr 2017 bundesweit ein Plus von 6,6 Prozent zu verzeichnen hatte. Die Bauaufträge hatten einen Gesamtwert von 72,3 Milliarden Euro – ein so hoher Wert wurde zuletzt im Jahr 1996 erreicht. Besonders kräftig hatten die Aufträge im Dezember angezogen: Das Plus betrug 24,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wie lange hält der Boom auf dem Bau?

Fraglich ist unterdessen, wie lange der momentane Boom auf dem Bau anhält. Die Zahlen der erteilten Baugenehmigungen waren im letzten Jahr immer wieder kräftig gesunken – wir berichteten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kam in einer Studie gerade erst zu dem Ergebnis, der Neubau von Wohnungen werde 2018 und 2019 deutlich abflauen. Ursache seien steigende Bauzinsen und die hohen GrundstückspreiseBauland ist gerade in den gefragten Großstädten enorm knapp.

Nicht zuletzt entwickeln sich auch die Preise für Bauleistungen seit längerem nach oben. Dieser Trend könnte sich in Zukunft noch verstärken, denn laut Medienberichten droht der Bauwirtschaft in Deutschland einer ihrer wichtigsten Rohstoffe auszugehen: Der Sand. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Zwar gebe es in Deutschland eigentlich ausreichend große Sand-Vorkommen. Allerdings könne der Großteil dieser Vorkommen nicht abgebaut werden, weil er in Naturschutzgebieten liegt oder unter bereits bebauten Flächen wie Gewerbegebieten, Wohngebieten, Straßen oder Bahntrassen.

Sandknappheit bedroht Wachstum auf dem Bau

Hinzu kommt, dass der Sand- und Kiesabbau mit der landwirtschaftlichen Nutzung von Flächen konkurriert. Letztere ist dank aktuell hoher Pachtpreise für Ackerland wirtschaftlich verlockender für die Grundstückseigentümer. Und die starke Bautätigkeit hat zugleich auch die Nachfrage nach Sand um fünf Prozent in den letzten fünf Jahren erhöht – denn ohne Sand kein Beton, kein Zement, keine Kalksandsteine. Auch Ziegel, Dachpfannen, Mörtel, Klinker oder Esstrich sind ohne Sand nicht denkbar.

Im Jahr 2017 sei es im Ruhrgebiet bereits zu Engpässen bei der Versorgung mit Sand gekommen, schreiben die Autoren der Studie. Für das Jahr 2018 sehen sie eine Ausweitung solcher Engpässe auch anderswo in Deutschland voraus. Da Sand wegen seines hohen Gewichts nicht über weite Strecken transportiert wird, erfolgen Gewinnung und Verarbeitung regional. Die Verknappung trifft daher nicht alle Landstriche gleich. Doch regionale Engpässe würden letztlich zu einer Verteuerung der Rohstoffe und damit des Bauens insgesamt führen, wie die Fachleute schreiben.

Dieser redaktionelle Beitrag wurde von Haus & Grund Rheinland verfasst.

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